Aufklärung als Aufgabe

Der ETH-Professor entwickelt Computermodelle, die den Klimawandel simulieren. Genauso wichtig wie die Daten ist ihm deren Vermittlung.

Herr Knutti, es gibt immer noch viele Leute, die am Klimawandel zweifeln. Was entgegnen Sie diesen?

Der Mensch ist zum grössten Teil Verursacher der globalen Erwärmung. Dies ist ein Fakt. Die physikalischen Grundlagen sind seit über einem Jahrhundert klar, die Beobachtungen eindeutig. Die wirkliche Debatte, die wir führen sollten, ist jedoch nicht diejenige, ob es den Klimawandel gibt, sondern wie wir als Gesellschaft mit diesen Risiken umgehen, und welche Massnahmen zur Anpassung und zu Emissionsreduktionen wir ergreifen wollen.

Der Klimawandel ist ein dringliches Problem. «Die Weichen müssen jetzt gestellt werden», sagen Sie im Film. Was muss konkret getan werden und wie ist dabei vorzugehen?

Falls wir das Klimaziel von höchstens 2°C einhalten wollen, dann müssen wir in der Schweiz bis 2050 praktisch auf Null CO2 Emissionen sein. Das verlangt nach vielerlei Massnahmen: im Verkehr, Gebäuden, in der Industrie, in der Landwirtschaft. Und zwar schnell. Je länger wir warten, desto schwieriger und teurer wird die Lösung.  Wir haben das Problem verursacht, und wir müssen es lösen. Wir können es nicht auf die nächste Generation abschieben.
 

Kann man von der Schweiz aus überhaupt eine globale Entwicklung beeinflussen?

Bei einem globalen Problem müssen alle ihren Beitrag leisten, unabhängig von der Grösse. Und wenn wir in der Schweiz mit unserer Intelligenz, den finanziellen Mitteln und unserem politischen gesellschaftlichen System nicht zeigen können, dass dieser Wandel möglich ist, wer dann sonst? Aber dann gibt es noch den Faktor Innovation: wenn es uns gelingt Lösungen zu entwickeln die attraktiv sind, dann wird die Welt diese kaufen oder kopieren. Damit haben wir einen riesigen zusätzlichen Hebel.

Zürich ist seit Jahrhunderten immer wieder Geburtsstätte von wichtigen Ideen und Ansätzen mit gesellschaftlicher Relevanz. Was macht den Forschungsstandort Zürich für Sie attraktiv?

Die ETH Zürich bietet uns eine ausgezeichnete Infrastruktur, exzellente internationale Wissenschaftler und Studierende, und die Freiheit neue Wege zu gehen. Damit unsere Arbeit auch den Weg in die Gesellschaft findet, braucht es Weltoffenheit und die Bereitschaft, Neues umzusetzen. Diese Offenheit für alle Menschen und Ideen wird in Zürich gelebt.
 

Zürich ist in Umweltfragen eine vorbildliche Stadt. Kann sie auch in Bezug auf den Klimawandel Vorbild sein?

Natürlich! Sie ist schon heute weiter als andere, aber wer sich an der Spitze ausruht hat verloren. Es braucht zudem zum Erfolg nicht nur die Politik oder die Stadtverwaltung, sondern die Menschen die hier leben und arbeiten. Jeder kann etwas beitragen. Und wir stehen erst am Anfang.

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