Stabilität als Strategie: Neue Anforderungen an Destinationen in globalen Krisen
Nina Smith
Account Director & Sourceress – Stevenson International
Stevenson International mit Sitz in Utah, USA ist eine unabhängige Agentur für MICE-Planung, Venue-Sourcing und Full-Service-Eventmanagement.

«In der aktuellen Lage entwickeln sich Zuverlässigkeit und Planungssicherheit zu den attraktivsten Merkmalen, die eine Destination bieten kann.»
1. Welche konkreten Auswirkungen des Iran-Konflikts sind derzeit in der internationalen MICE-Branche spürbar – und wo gibt es die grössten Veränderungen für Event Organizer in den USA?
Aus der Perspektive einer in den USA ansässigen Drittagentur ist der Konflikt nicht nur eine Meldung in den Nachrichten, sondern er beeinflusst aktiv unser tägliches Geschäft. Zwar zeigen unsere Kund:innen weiterhin grosses Interesse an internationalen Programmen, gleichzeitig beobachten wir aber eine zunehmende geografische Zurückhaltung.
Kürzlich haben uns Kund:innen mit Programmen in der gesamten Region gebeten, eine Verschiebung zu prüfen, um die regionale Lage weiter zu beobachten. Dies hat uns erneut deutlich gemacht, dass wir uns nicht auf standardisierte Vertragsformulierungen berufen können. Stattdessen müssen wir unsere Vereinbarungen sorgfältig und analytisch ausarbeiten, um sowohl unsere Kund:innen als auch unsere Agentur abzusichern, falls wir ein Programm kurzfristig grundlegend umstellen müssen.
Darüber hinaus richten wir unsere Auswahl an Standorten neu aus und konzentrieren uns auf Orte, an denen die lokale Infrastruktur und politische Stabilität als Schutzschild gegen globale Unbeständigkeit dienen. In der aktuellen Lage entwickeln sich Zuverlässigkeit und Planungssicherheit zu den attraktivsten Merkmalen, die eine Destination bieten kann.
2. Welche Massnahmen sollten Eventplaner:innen derzeit in Bezug auf Planung, Risikomanagement und Kommunikation priorisieren?
Die Kosten einer verspäteten Reaktion sind weitaus höher als die eines schwierigen Gesprächs. Wenn wir auf eine Schlagzeile stossen, die unsere Kund:innen verunsichern könnte – sei es der Iran-Konflikt oder eine Verknappung von Flugbenzin –, ist es unser Anspruch, sie frühzeitig darauf aufmerksam zu machen.
Dabei sind wir auch auf die Unterstützung unserer lokalen CVB-Partner angewiesen. Indem sie uns objektive Daten aus erster Hand und in Echtzeit liefern, stärken sie unsere Rolle als beratende Instanz. So festigen wir das Vertrauen unserer Kund:innen in unseren vorausschauenden Umgang mit aktuellen Entwicklungen.
3. Welche Chancen ergeben sich aktuell für europäische Destinationen – und worauf sollten sie jetzt setzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?
Meine Kund:innen wünschen sich Planbarkeit, sowohl in Bezug auf Budget als auch auf Sicherheit. Gleichzeitig erwarten sie für das eigentliche Erlebnis nach wie vor den überraschenden Wow-Effekt. Die Chance liegt darin zu zeigen, dass Stabilität nicht gleichbedeutend mit «Standard» ist.
Europa wird von vielen unserer Kund:innen, die bereits auf eigene Faust dorthin gereist sind, als sicher und vertraut wahrgenommen. Für Destinationen besteht die Herausforderung darin, zu zeigen, dass «vertraut» nicht gleichbedeutend ist mit «das kenne ich schon alles».
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Destinationen den Fokus auf exklusive, hochwertige Erlebnisse legen, die Individualreisende so nicht selbst buchen können. Wenn es gelingt, logistische Sorglosigkeit mit kultureller Exklusivität zu verbinden, entsteht daraus ein überzeugendes und wettbewerbsstarkes Gesamtangebot.
Zurich Convention Bureau
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